Die Ärzte im Trommelfeuer der Kritik

Seit ich die Die Ärzte höre, grob geschätzt also seit 1993, werde ich auch mit Kritik an ihrem Auftreten und/oder Werk konfrontiert.

Früher ging das so:
  1. Die machen Kindermusik, weder was für Erwachsene noch für solche die es gern wären.
  2. Die Toten Hosen sind ja viel authentischer.
  3. Die alten Sachen (vor der Auflösung) fand ich ja ganz gut, (waren noch richtiger Punkrock), die neuen nicht (sind Kindermusik).
  4. Bravopunks.
In den letzten Jahren hat sich die Kritik verlagert. Bestimmte Kritikpunkte haben sich erübrigt, andere sind hinzugekommen.
  1. Die Die Ärzte sind durch zunehmendes Alter und zunehmend ernstere Songs nicht mehr so leicht in die Rubrik Kindermusik zu packen (werden sie aber weiterhin)
  2. Halten heute nur noch verblendete Fans die Toten Hosen für authentischer als die Ärzte kümmert es heute keinen mehr, wer authentischer ist.
  3. a) Die sind ja gar nicht mehr wie früher (also vor Im Schatten der die Ärzte Früher, Ab 18 ist nicht die ganze Wahrheit, Das Beste in Menschengestalt, Planet Frisur, 13 unsichtbare SpendierhosenGeräusch ist anders, auch)
    b) Die machen immer das selbe
Gerade die letzten beiden Punk-te machen mir Spaß. Während der eine sich fröhlich darüber ereifert, dass die die Ärzte früher so anders als heute waren, stimmt ihm der nächste geifernd zu, dass auf jeder Platte ein Gruftsong, ein Lovesong und ein FU-Exot seien.
Ich würde sagen: Mit solchen Kritikern kann man leben.
Aber schauen wir trotzdem noch mal hin: Vielleicht haben ja sogar beide recht. Klar kristallisieren sich auch bei einer Band wie den DÄ Muster heraus, insofern sind bestimmte Dinge schon „immer das selbe“ – das trägt ja auch zum Bandhumor bei – gerade, dass immer wieder mit ähnlichen Themen gespielt wird, aber auch, dass die Themen mal „beendet“ werden, siehe Claudia Teil 95 oder Licht am Ende des Sarges.  Andererseits ist bei wenigen Bands so viel Entwicklung zu sehen wie bei den DÄ, es ist also in der Tat nicht mehr „so wie früher“. Aber ehrlich gesagt halte ich beides für ausgesprochene Tugenden der die Ärzte.
Abschließend noch eine nicht näher kommentierte Liste von  Beiträgen zu den DÄ im Zuge der „auch“ Veröffentlichung. Man könnte dabei auch ein wenig zu dem Eindruck kommen, dass es um so interessanter ist, eine Band wie die DÄ zu kritisieren, je mehr diese den Status eines „Muss jeder mal ne Platte von kaufen und muss jeder mal auf nen Konzert gehen“ Phänomens haben. Die Mädchen sind halt in den Achtzigern ohnmächtig geworden oder haben sich, wie Bela neulich in der Hamburger Fabrik beiläufig erwähnte, durchaus auch mal die Kehlen zu Livemusik aufgeschlitzt um ihren Stars zu imponieren. Da ist ein Oma-Vater-Mutter-Kind Konzert das mit „Fick Dich und Deine Schwestern“ eröffnet natürlich gleich viel weniger Punkrock und total kommerzig.
FAZ: Schon wieder Punkrock
SZ: Und dazu breit grinsen
5Vier: Die Ärzte können es auch noch
NTV: Phänomen DÄ
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